Ein Restaurant am Marktplatz in Teltow. Es ist ein Herbstabend, früh dunkel, kaum noch jemand auf den Straßen unterwegs.

Im Restaurant Gemütlichkeit, kaminrot gestrichene Wände, spinnenwebartige Vorhänge vor den Fenstern – das muss wohl schon die Dekoration für das herannahende Halloween sein. Interessant, neu. Sowie der frittierte Rucolasalat unter dem gebackenen Ziegenkäse. Neu auch der Dialekt und die etwas ruppige Art, aber man fühlt sich wohl.

Am Nachbartisch sitzt ein Ehepaar nebeneinander auf der Bank – wie ich, denn von dort hat man immer den besten Überblick. Gegenüber sitzt ein älterer Herr, wahrscheinlich der Vater von einem der beiden. Er ist aufgeweckt, erzählt von seinen täglichen Abenteuern, der Kunst, seinen Freunden, seinem Leben. Er füllt das Abendessen aus, den Tisch, so sehr, dass seine Persönlichkeit bis zu uns durchdringt. Macht er eine Pause, um zu trinken, so herrscht Stille am Nachbartisch. Gebannte, beobachtende Blicke des Ehepaares auf den älteren Herren. Das Warten darauf, dass er seine Erzählungen wieder aufnimmt. So sehr sein Tag auch ausgefüllt ist, es fehlt etwas. Das Liebste in seinem Leben fehlt und diese Lücke ist auch durch die Kunst und die kleinen täglichen Abenteuer nicht zu füllen. Das spürt man, auch das schwappt zu uns herüber.

Nachdem der ältere Herr alleine seinen „guten, doppelten Verdauerli“ getrunken, die Rechnung für den gesamten Tisch bezahlt und seine Jacke angezogen hat, kommt er zu uns an den Tisch. Er fragt, ob es uns denn genauso geschmeckt habe. Aber was er auch ohne Worte zu uns sagt ist, dass ihm etwas oder vielmehr jemand fehlt. Es mache ihn sehr glücklich, so ein junges, verliebtes Ehepaar zu sehen. Das gäbe es nur noch selten. Er bedankt sich, lächelt und wendet sich mit Tränen in den Augen ab. Wir winken zum Abschied und geben auch ihm ein Lächeln mit auf den Weg. Dabei laufen auch mir die Tränen über die Wangen. Da greift er über den Tisch nach meiner Hand, hält sie ganz fest und lächelt mich an: Hey, ich bin bei dir, und das wird auch immer so bleiben.

Leben, lieben und lachen wir, halten wir uns fest und versuchen wir, auch anderen Menschen von dieser Liebe etwas abzugeben und ihnen Halt zu geben.

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